5 Anzeichen: Mundgeruch bei Hund und Katze ist nicht normal
Mundgeruch gilt vielen als Eigenheit von Hund oder Katze. Meist ist er das erste Anzeichen einer Zahnerkrankung. 5 Signale, auf die es wirklich ankommt.

'Der riecht halt nach Hund' oder 'Katzen haben eben Katzenatem' — für viele Halterinnen und Halter ist unangenehmer Mundgeruch beim eigenen Tier eine Eigenheit, über die man höchstens kurz die Nase rümpft, aber nicht weiter nachdenkt. Tatsächlich ist Halitosis, der unangenehme Geruch aus dem Maul, der häufigste Grund, warum Tierhalter überhaupt mit einem bereits parodontal erkrankten Tier eine Tierarztpraxis aufsuchen — der Geruch selbst ist meist keine Marotte, sondern ein frühes, gut wahrnehmbares Symptom. Über 80 Prozent aller Hunde und Katzen entwickeln bis zum sechsten Lebensjahr eine behandlungswürdige Erkrankung der Maulhöhle, am häufigsten eine Parodontitis.

Der Irrglaube: Mundgeruch ist einfach eine Eigenheit des Tieres
Weil praktisch jeder Hund und jede Katze irgendwann einen gewissen Eigengeruch aus dem Maul hat, wird ein stärkerer, anhaltender Geruch leicht als 'normal für dieses Tier' abgetan. Der Unterschied zwischen einem harmlosen, leichten Futtergeruch und einem echten Warnsignal liegt aber nicht im subjektiven Empfinden, sondern in der Ursache: Ein anhaltender, deutlich unangenehmer Geruch entsteht durch bakterielle Aktivität im Maul, nicht durch die Ernährung allein.
Warum der Geruch selbst ein medizinisches Signal ist
Täglich lagert sich ein weicher Zahnbelag (Plaque) auf den Zähnen ab. Ohne regelmäßige Entfernung verhärtet sich dieser Belag innerhalb weniger Tage zu Zahnstein, der wiederum idealen Nährboden für Bakterien bietet und zu einer eitrigen Besiedlung von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat führt — genau diese bakterielle Aktivität erzeugt den typischen unangenehmen Geruch. Bei Katzen kommt zusätzlich die FORL (Feline Odontoklastische Resorptive Läsion) hinzu, bei der sich Zahnsubstanz meist im Bereich des Zahnhalses schmerzhaft auflöst; bis zu 80 Prozent der Katzen sind im Laufe ihres Lebens betroffen, manche bereits in jungen Jahren, andere erst mit 10 oder mehr Jahren. Bleibt eine Parodontitis unbehandelt, können die beteiligten Bakterien über die Blutbahn streuen und Herz, Leber und Nieren zusätzlich belasten sowie das Immunsystem schwächen. Mundgeruch ist damit ein Signal, das über die Maulhöhle selbst hinausreicht, nicht nur ein Geruchsproblem.
5 Anzeichen, auf die es wirklich ankommt
1) Anhaltender Geruch, der auch länger nach dem Fressen bleibt — nicht der übliche, kurze Futtergeruch direkt nach der Mahlzeit.
2) Gerötetes, geschwollenes oder beim vorsichtigen Berühren leicht blutendes Zahnfleisch, statt eines gleichmäßigen Blassrosa.
3) Sichtbarer bräunlicher Zahnstein am Zahnfleischrand, besonders an Eckzähnen und Backenzähnen.
4) Einseitiges Kauen, häufiges Fallenlassen von Futter oder ein auffälliger Rückzug von harten Leckerlis, die das Tier früher gern mochte.
5) Vermehrter Speichelfluss oder wiederholtes Reiben mit der Pfote am Maul.
Was jetzt tatsächlich hilft
Zwischen den professionellen Kontrollen hilft tägliches oder zumindest mehrmals wöchentliches Zähneputzen mit spezieller Tierzahnpasta am meisten gegen neue Plaquebildung. Ergänzend gibt es Zahnpflege-Kausnacks und spezielles Dentalfutter, die die Plaquebildung mechanisch reduzieren — eine bereits vorhandene Zahnsteinschicht entfernen sie jedoch nicht. Einmal vorhandener Zahnstein und tiefere Zahnfleischtaschen lassen sich nur durch eine professionelle Zahnsteinentfernung unter Narkose in der Tierarztpraxis behandeln. Bei den oben genannten Anzeichen lohnt sich deshalb ein gezielter Termin, statt den Geruch weiter als bloße Eigenheit des Tieres abzutun.
Häufige Fragen
Reicht Zähneputzen allein, um Zahnstein zu vermeiden? Regelmäßiges Putzen verlangsamt die Plaquebildung deutlich, verhindert aber nicht in jedem Fall vollständig, dass sich mit der Zeit Zahnstein bildet — deshalb bleiben regelmäßige Kontrollen in der Tierarztpraxis sinnvoll.
Ab welchem Alter sollte man auf Zahngesundheit achten? Am besten von Anfang an, da sich Plaque bereits im ersten Lebensjahr bildet — viele Anzeichen einer Parodontitis oder FORL zeigen sich aber erst ab dem mittleren Lebensalter.
Diese fünf Anzeichen ersetzen keine tierärztliche Untersuchung. Bei starkem, plötzlich auftretendem Geruch, deutlich blutendem oder eitrig belegtem Zahnfleisch, Fressunlust wegen Schmerzen im Maul oder Schwellungen im Gesichtsbereich sollte zeitnah eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Bei mildem, schleichendem Mundgeruch reicht zunächst ein Routinetermin, um die Ursache abklären zu lassen.
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