Schlappohren begünstigen heimlich Ohrenentzündungen
Schlappohren sehen niedlich aus, sind aber ein Risikofaktor: Sie blockieren die Luftzirkulation im Gehörgang. So reinigst du die Ohren deines Hundes richtig.

Wenn dein Hund schon mehr als eine Ohrenentzündung hinter sich hat, wirkt das oft wie Pech – ein bisschen Regen beim Gassigehen, und plötzlich schüttelt er ständig den Kopf und es riecht unangenehm aus dem Ohr. Bei vielen Hunden, besonders bei den schlappohrigen Rassen, ist das kein Zufall. Die Ohrform selbst trägt einen großen Teil der Schuld – und das bedeutet: Die Lösung liegt weniger darin, Wasser komplett zu vermeiden, sondern in einer Reinigungsroutine, die zum tatsächlichen Risiko passt.

Der Irrglaube: Es liegt nur am Wasser oder am Pech
Ohrenentzündungen wirken oft, als kämen sie aus dem Nichts, und Schwimmen ist schnell der Sündenbock, weil dabei Feuchtigkeit sichtbar ins Ohr gelangt. Bei vielen Hunden liegt der eigentliche Auslöser aber nicht in einem einzelnen Ereignis, sondern in etwas Strukturellem – deshalb bekommt derselbe Hund trotz sorgfältigem Abtrocknen nach dem Schwimmen immer wieder eine Entzündung. Die zweite verbreitete Annahme: Ein Wattestäbchen, das beim eigenen Ohr funktioniert, muss auch beim Hundeohr das richtige Werkzeug sein. Ist es nicht – und genau das macht aus einem kleinen Problem oft ein größeres.
Warum wirklich die Ohrform der Auslöser ist, nicht das Wasser
Rassen mit langen Schlappohren – Cocker Spaniel, Basset Hound, Irish Setter und Pudel gehören dazu – bekommen häufiger eine Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs) diagnostiziert als Hunde mit stehenden Ohren, und der Mechanismus dahinter ist simpel: Die Ohrmuschel liegt wie ein Deckel über der Öffnung des Gehörgangs und blockiert die normale Luftzirkulation. Weniger Luftaustausch bedeutet, dass es im Gehörgang wärmer und feuchter bleibt, als es sonst wäre – und genau dieses warmfeuchte Klima brauchen Bakterien und Hefepilze, um sich zu vermehren. Schwimmen und Baden erhöhen diese Grundlast an Feuchtigkeit zusätzlich, und angesammeltes Ohrenschmalz verschlimmert es noch, weil es die vorhandene Feuchtigkeit festhält, statt sie verdunsten zu lassen.
Ein Wattestäbchen klingt logisch – rein damit, sauber machen –, aber die Form des Hundegehörgangs (L-förmig gebogen, anders als der geradere menschliche Gehörgang) sorgt dafür, dass ein Wattestäbchen Schmutz und Ohrenschmalz eher tiefer hineinschiebt und vor dem Trommelfell zusammenpresst, statt es tatsächlich zu entfernen. Es besteht außerdem ein reales Risiko, das Trommelfell direkt zu verletzen. Das Werkzeug, das nach der naheliegenden Lösung aussieht, ist bei dieser speziellen Anatomie Teil des Problems – deshalb rät auch der bpt (Bundesverband Praktizierender Tierärzte) grundsätzlich davon ab, Wattestäbchen im Hundeohr zu verwenden.
Die tatsächliche Lösung: Lösung, Massage, Abwischen – nie ein Wattestäbchen
- Eine tierärztlich empfohlene Ohrreinigungslösung verwenden, nicht Wasser oder eine selbstgemischte Lösung, und sich an die Dosierungsangabe des Produkts halten.
- Die Ohrbasis (dort, wo das Ohr auf den Kopf trifft) 20 bis 30 Sekunden massieren, nachdem die Lösung aufgetragen wurde – das löst Rückstände im Gehörgang, statt nur die Oberfläche zu benetzen.
- Den Hund den Kopf schütteln lassen. Das ist kein Nebenschritt, sondern macht echte Arbeit – das Schütteln befördert gelöste Rückstände nach außen, wo sie entfernt werden können.
- Mit einem Wattepad oder einer Mullkompresse nachwischen, nur so tief, wie ein Finger bequem hineinreicht – ungefähr ein Fingerglied. Nie etwas, auch kein Wattestäbchen, tiefer in den Gehörgang einführen.
Wie oft das nötig ist, hängt vom einzelnen Hund ab – ein schlappohriger Retriever, der jedes Wochenende schwimmt, braucht einen anderen Rhythmus als ein kurzhaariger Hund mit Stehohren, der selten nass wird. Als grobe Orientierung gilt eine monatliche Kontrolle, bei bekannt anfälligen Rassen oder Schwimmhunden eher wöchentlich – im Zweifel lohnt sich eine konkrete Empfehlung von der Tierarztpraxis statt einer pauschalen Routine.

Häufig gestellte Fragen
Reicht auch einfaches Wasser statt einer Reinigungslösung?
Reines Wasser hat nicht dieselben wachslösenden und trocknenden Eigenschaften wie ein speziell dafür entwickelter Ohrreiniger und kann den Gehörgang hinterher sogar feuchter zurücklassen statt trockener – das Gegenteil von dem, was du erreichen willst.
Mein Hund lässt sich die Ohren überhaupt nicht anfassen – was dann?
Kurze, ruhige Einheiten mit Leckerlis, die während des gesamten Vorgangs gegeben werden (nicht nur am Ende), funktionieren meist besser, als in einer langen Sitzung gegen den Widerstand anzukämpfen. Zeigt dein Hund dabei erkennbare Schmerzreaktionen statt nur Unlust, ist das ein Zeichen, das Ohr erst tierärztlich checken zu lassen, bevor du selbst weiter reinigst.
Kopfschütteln, ein unangenehmer oder muffiger Geruch, Rötung, Schwellung oder dunkler Ausfluss sind Anzeichen einer aktiven Entzündung, die eine häusliche Reinigungsroutine allein nicht löst – diese Kombination gehört in die Tierarztpraxis und braucht eine gezielte Behandlung. Falls das Reinigen der Ohren deinem Hund erkennbare Schmerzen bereitet, ist das ebenfalls ein Grund, es tierärztlich abklären zu lassen, bevor weitergemacht wird, da ein bereits entzündetes Ohr selbst sanftes Reinigen unangenehm machen kann.
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